Staatskanzlei

Schneider: „Zufrieden mit dem eigenen Leben, Sorgen um die Zukunft“

Brandenburg-Monitor 2026

veröffentlicht am 06.10.2026

Wie bereits im Jahr 2024 zeigt auch der aktuelle Brandenburg-Monitor 2026 eine spürbare Diskrepanz zwischen der Einschätzung der privaten Lebenslage und den Erwartungen der Menschen für die Zukunft. Während die persönliche Lebenssituation weiterhin durchweg sehr positiv bewertet wird, nehmen die Sorge um die wirtschaftliche Lage, die Zukunft der Kinder und die finanzielle Absicherung im Alter zu. Junge Menschen von 14 bis 18 Jahren sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mit ihrem Leben zufriedener und blicken zuversichtlicher auf die eigene Zukunft. Insgesamt fühlen sich die Menschen unsicherer als vor 5 Jahren und auf Notsituationen nicht gut vorbereitet. Den Ausbau von Bundeswehrstandorten und die Ansiedelung von Unternehmen der Verteidigungsindustrie finden rund zwei Drittel der Menschen gut. Die Chefin der Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, hat den aktuellen Brandenburg-Monitor heute dem Kabinett vorgestellt. Dr. Peter Matuschek von forsa erläuterte die Ergebnisse mit der beigefügten Präsentation im Detail. 

Schneider: „Die persönliche Lebenssituation der Brandenburgerinnen und Brandenburger ist erfreulicherweise stabil positiv. Das passt zur guten wirtschaftlichen Entwicklung, zum hohen Beschäftigungsniveau und zur vergleichsweisen geringen Arbeitslosigkeit in Brandenburg.  Gleichzeitig spüren die Menschen die globalen Umbrüche und Krisen. Die Zukunftsängste nehmen zu, das Vertrauen in die langfristige Stabilität unseres Wirtschaftsstandortes schwindet. Das kann eine Erklärung dafür sein, dass erstmals eine Mehrheit von 54 Prozent der Meinung ist, dass Brandenburg nicht auf dem richtigen Weg ist. Wir nehmen dieses Bild als Auftrag, die wirtschaftliche Entwicklung in Brandenburg weiter konsequent voranzutreiben. Wir wollen und werden Arbeit und Einkommen sichern, um den Menschen die Gewissheit zurückgeben, dass die gute persönliche Lebenssituation von heute auch morgen noch Bestand hat.“ 

Insgesamt wurden 1.088 Brandenburgerinnen und Brandenburger von der Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen (forsa) im Rahmen einer Online-Befragung vom 31. Juli bis 28. August 2026 befragt. Schwerpunktthema war diesmal Sicherheit, Resilienz und Krisenvorsorge. 

Schneider weiter: „Das Votum für die Unterstützung der Bundeswehr und die Ansiedlung von Unternehmen der Verteidigungsindustrie ist sehr klar. Die große Mehrheit der Menschen in Brandenburg weiß sehr gut, dass Freiheit und Demokratie verteidigt werden müssen. Sie sehen es ebenso als legitim an, die wirtschaftlichen Vorteile für Brandenburg zu nutzen. Natürlich machen sich die Menschen auch Sorgen wegen der aktuellen Weltlage. Sie fühlen sich heute unsicherer als vor fünf Jahren. Sie wollen einen besseren Schutz kritischer Infrastrukturen und sie wollen besser informiert sein, was in Notsituationen zu tun ist. Diese Sorgen nehmen wir ernst und stärken deshalb unsere Sicherheitsbehörden und den Brand- und Katastrophenschutz. Eine sehr gute Voraussetzung dafür ist, dass die Menschen der Feuerwehr, den Rettungsdiensten, der Polizei und den Gerichten weiterhin vertrauen.“ 

Zu den konkreten Ergebnissen: 

87 Prozent der Befragten sind aktuell mit ihrem eigenen Leben (sehr) zufrieden. Das ist nochmal eine leichte Steigerung gegenüber 2024.  Die hohe (sehr) gute Bewertung der eigenen finanziellen Situation bleibt mit 81 Prozent auf dem Niveau von 2024. Die Erwartung, dass sich diese Situation nicht verändert bzw. verbessert liegt mit 68 Prozent (2024: 61 Prozent) ebenfalls weiter hoch. Die Erwartung an die persönliche Zukunft ist mit 51 Prozent Zuversicht und 44 Prozent gegenüber 2024 unverändert. 

Größer geworden sind die konkreten Sorgen zur Zukunft der Kinder (von 60 Prozent 2024 auf 65 Prozent 2026), zur finanziellen Absicherung im Alter (von 43 Prozent 2024 auf 46 Prozent 2026) und zur Arbeitsplatzsituation (von 9 Prozent 2024 auf 16 Prozent 2026). Deutlich geringer geworden sind die Erwartungen, dass die Arbeitslosigkeit niedrig bleibt und Wirtschaft und Konjunktur sich gut entwickeln. Diese Entwicklung dürfte dazu führen, dass erstmals 54 Prozent und damit eine Mehrheit der Meinung ist, dass sich Brandenburg in die falsche Richtung entwickelt – im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 48 Prozent. 

Die Sorge um die Wohnsituation bleibt -wie 2024 - mit 14 Prozent auf dem letzten Platz.

Bei den drängendsten Problemen des Landes gibt es eine Verschiebung der Prioritäten:

Rechtsruck/AfD (21 Prozent) und die Bildungspolitik (15 Prozent) werden aktuell als die wichtigsten Probleme benannt. Das Thema Zuwanderung, das 2024 noch das Spitzenproblem war, hat an Relevanz verloren und ist von 24 Prozent auf 13 Prozent gesunken. Leicht an Bedeutung gewonnen haben die Themen Wirtschaft, Verkehr und Klimawandel (jeweils zwischen 11 und 13 Prozent). 

Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung ist von 46 Prozent (2024) auf 43 Prozent (2026) gesunken. Dabei zeigt sich ein geografisches Gefälle: Im Berliner Umland ist fast die Hälfte der Menschen (48 Prozent) zufrieden, in den berlinfernen Regionen sinkt dieser Wert auf 39 Prozent. Deutlich optimistischer zeigen sich die befragten Jugendlichen – hier liegt die Zufriedenheit mit der Landesregierung bei 57 Prozent. Allerdings interessieren sich die Jugendlichen und auch die jungen Erwachsenen mit jeweils 31 Prozent auch deutlich seltener für die Landespolitik als die anderen Altersgruppen. 

Das Vertrauen in Feuerwehr und Rettungsdiensten ist mit 98 Prozent weiter sehr hoch. Dahinter folgen Polizei (77 Prozent) und Gerichte (60 Prozent). Großes Vertrauen haben die Menschen auch in die Parteien, die sie selbst wählen (58 Prozent), ihre Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung (55 Prozent), ihre Bürgermeister (53 Prozent) und der Bundeswehr (51 Prozent). Das Vertrauen in die Landesregierung (36 Prozent) und den Landtag Brandenburg (35 Prozent), die Bundesregierung (15  Prozent) und den Bundestag (24 Prozent) ist gesunken. 

Der Schwerpunkt zum Thema Sicherheitsgefühl und zur Krisenvorsorge zeigt eine ausgeprägte Verunsicherung im Land. Vier von fünf Brandenburgerinnen und Brandenburgern (81 Prozent) fühlen sich unsicherer als noch vor fünf Jahren. Als Hauptgründe angegeben werden mit 45 Prozent die Bedrohung der äußeren Sicherheit durch Kriegsgefahr und weltpolitische Lage und zu 30 Prozent die Gefährdung der Demokratie in Deutschland durch Extremismus, Radikalisierung, Zustand von Demokratie und Politik. 

Nur 20 Prozent der Menschen ist der Meinung, dass der Staat seine Aufgaben erfüllen kann. Bei der Benennung der Aufgaben, mit denen der Staat überfordert ist, werden Zuwanderung, Regierungsarbeit allgemein, Gesundheitswesen, Bildung, Staatsfinanzen und Wirtschaft am häufigsten genannt. 

Bei der Wichtigkeit sicherheitspolitischer Handlungsfelder gibt es klare Prioritäten: Der Schutz kritischer Infrastrukturen steht für 77 Prozent an oberster Stelle, dicht gefolgt von der sozialen und medizinischen Absicherung sowie dem Schutz von Demokratie und Rechtsstaat (jeweils 71 Prozent). 

Eine deutliche Mehrheit von rund zwei Dritteln der Bevölkerung befürwortet den Ausbau von Bundeswehrstandorten in Brandenburg, primär zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit (35 Prozent), für 16 Prozent auch als wirtschaftlicher Impuls.

Die Ansiedlung von Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie befürworten ebenfalls zwei Drittel der Menschen. Für 43 Prozent steht Schaffung bzw. Sicherung von Arbeitsplätzen im Vordergrund. 21 Prozent sehen eine allgemeine Stärkung des Wirtschaftsstandortes. Bei den kritischen Stimmen überwiegt die Sorge, dass Brandenburg zum potenziellen Angriffsziel werden könnte (20 Prozent). 

Gleichzeitig zeigt die Befragung Nachholbedarf beim Katastrophenschutz: 59 Prozent der Menschen fühlen sich persönlich nicht gut auf Notsituationen wie Energieausfälle oder Naturkatastrophen vorbereitet – das Land Brandenburg sehen sogar 65 Prozent unzureichend ausgerüstet. Als hilfreiche Angebote zur Stärkung der Resilienz werden am häufigsten mehr sachliche Information und Veranstaltungen, Beratungen, Übungen vor Ort genannt. 

Für den diesjährigen Brandenburg-Monitor wurde die Grundgesamtheit erstmals um die 14- und 15-Jährigen erweitert, so dass die Meinungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 18 Jahren ausgewertet werden konnten. Sie sind mit ihrem Leben zufriedener als die Befragten insgesamt und blicken zuversichtlicher auf ihre Zukunft. Sorgen um die eigene finanzielle Situation äußern sie seltener, Sorgen um die Arbeitsplatzsituation dagegen häufiger. Ihre Informationswege unterscheiden sich deutlich von denen älterer Generationen. Die wichtigsten Informationsquellen zur Politik sind Social Media oder Online-Foren aber auch Gespräch mit Freunden und Bekannten.

Anlage: Präsentation Brandenburg-Monitor 2026 (PDF)